Die Tage der Hauskirche

Domestic Church, Hauskirche

Jetzt sind die Tage der Hauskirche. Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, dass die Kirchen überall in der Welt ihre Türen geschlossen haben und die Messe sowie den Zugang zu den Sakramenten abgesagt haben. Für einige bedeutet es, dass die kirchliche Autorität vor übertriebener staatlichen Regulationen eingeknickt ist. Für andere bedeutet es einfach, vorsichtig sein und Leben retten. Woran du auch glaubst, als Katholiken sind unsere Heime nun Kirchen geworden, in denen wir online oder beim Radiohören, an der Messe teilnehmen. Die Hauskirche ist jedoch keine Erfindung der Corona-Zeiten. Tatsächlich gab es die Hauskirche, im Zweiten Vatikanischen Konzil Ecclesia Domestica genannt, schon immer.

Der Katechismus sagt: “Die christliche Familie ist die Stätte, wo die Kinder die erste Kunde vom Glauben erhalten. Darum wird sie mit Recht “Hauskirche” genannt – eine Gnaden- und Gebetsgemeinschaft, eine Schule der menschlichen Tugenden und der christlichen Liebe” (KKK 1666).

Sicherlich haben die meisten von uns Katholiken schon vor der Pandemie mehr oder weniger eine Art Hauskirche praktiziert. Zum Beispiel den Rosenkranz im Herrgottswinkel, vor einem Kruzifix oder dem Barmherzigkeitsbild gebetet. Eltern haben wahrscheinlich mit ihren Kindern das eine oder andere Gebet gesagt, zumindest vor dem Schlafengehen. Mit dem Lockdown hat die Hauskirche aber an Bedeutung gewonnen.

Diese Ostern bin ich wahrscheinlich das erste Mal, seit ich eine eigene Familie habe, daheim geblieben. Eines der berührenden Momente in der Liturgie finde ich, wann Lumen Christi und Deo Gracias erklingt, während die dunkle Kirche allmählich erhellt wird, als Symbol für das Licht, das Christus mit seiner Auferstehung in diese Welt gebracht hat. Dieses Jahr würden wir das nicht erleben. Und was mit dem traditionellen Osterfeuer das vor der Kirche brennt? Dann erinnerte ich mich, dass wir in der Stube eine Feuerstelle haben. Statt zur Messe zu gehen, schauten wir dem Livestream unseres Pfarrers zu, während ein Feuer in der Feuerstelle brannte. Wir hielten eine Kerze in den Händen, die wir bei unserem eigenen Osterfeuer entzündeten.

Anders als bei manchen Protestanten ist die Messe für Katholiken mehr als nur eine Versammlung, um Gottes Wort zu hören – obwohl das auch wichtig ist – und kann durch nichts ersetzt werden. Bei der Messe empfangen wir den Leib Christi, da Jesus selber gesagt hat: “Das ist mein Leib” und “Tut dies zu meinem Gedächtnis”. Im Moment sind wir der Sonntagspflicht enthoben und können nur geistig an der Kommunion teilnehmen. Die Kirche ist in den Untergrund gegangen und unsere Häuser sind die neuen Katakomben. Fast.